Aus dem Wasser

Bis zu mehreren Jahren lebt sie als unscheinbare Larve verborgen im Wasser von Teichen oder Bächen. Mit einer bizarr anmutenden Fangmaske jagt sie andere Wassertiere. Sie legt kontinuierlich an Gewicht zu und bereitet sich so auf ihr zweites Leben vor, das nur wenige Wochen eines Sommers dauern wird. Wenn wir sie schliesslich sehen, befindet sie sich auf dem Höhepunkt ihres Daseins, als faszinierendes Insekt, das wie kein anderes die Kunst des Fliegens beherrscht. Vier unabhängig voneinander steuerbare Flügel ermöglichen der Libelle eine unvergleichliche Manövrierfähigkeit sowie hohe Beschleunigung und Fluggeschwindigkeit und befähigen sie, ihre Beute in der Luft zu fangen.

Aber nicht nur ihre Metamorphose und Anpassung an zwei völlig unterschiedliche Lebensräume ist beeindruckend, auch ihre Schönheit kann begeistern. Die Ästhetik dieses aussergewöhnlichen Insekts ist das Thema dieser Arbeit. Der Fokus liegt dabei auf den komplexen Flügelstrukturen. Diese Strukturen wurden auf den Fotos, die im Sommer 2015 auf Zürcher und Basler Stadtgebiet aufgenommenen wurden, zeichnerisch herausgearbeitet. Das Netz der Adern ist bei den diversen Arten nach ähnlichem Muster aufgebaut. Es unterscheidet sich im Detail jedoch bei jedem Individuum und ist damit vergleichbar mit dem menschlichen Fingerabdruck.

Die Bilder sollen dazu anregen, diese und andere uns so nahen und doch meist fremden Lebewesen genauer zu betrachten, ihre Existenz wertzuschätzen und ihren Lebensraum als schützenswert zu respektieren. Libellen, so wie wir sie kennen, fliegen schon seit 100 Millionen Jahren. Sie gehören zu den entwicklungsgeschichtlich ältesten Insekten. Doch jetzt gelten viele ihrer Arten als gefährdet.

Ausstellung 30.Juni - 10 Juli 2016, → Photobastei